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Schutz für seltene Sommergäste – Trauerseeschwalben reisen zum Brutgeschäft an

Stadtgeschehen
  • Erstellt: 25.05.2022 / 11:58 Uhr von eb
Die steigenden Temperaturen locken dieser Tage nicht nur zahlreiche Wassersportfans auf die Havelgewässer. Auch weitgereiste Sommergäste sind zurück in ihrem Revier auf den Havelseen: Die seltenen Trauerseeschwalben starten zwischen Potsdam und Werder ihr Brutgeschäft und sind auf besondere Hilfe und Rücksichtnahme angewiesen.

Bereits seit Jahrzehnten brüten Trauerseeschwalben in einer Kolonie im Übergang zwischen dem Schlänitzsee und der Wublitz zwischen Werder (Havel) und Potsdam. Viele tausend Kilometer haben die filigranen Langstreckenflieger zurückgelegt, wenn sie im Mai aus Westafrika kommend ihr sommerliches Brutrevier im Uferbereich des Naturschutzgebietes „Wolfsbruch“ in Besitz nehmen. Die Vögel bauen ihre Nester natürlicherweise zum Beispiel auf Seerosenblättern oder abgebrochenem Röhricht nahe der Schilfkante.

Auf den vielbefahrenen Havel-Gewässern sind die in Deutschland vom Aussterben bedrohten Vögel nun auf besondere Hilfe und Rücksichtnahme angewiesen. Reinhard Baadke von der Unteren Naturschutzbehörde Potsdam-Mittelmark erklärt: „Die Ursachen für den Rückgang der Bestände sind vielfältig. Die Vögel finden bei uns nur noch selten natürliche und ruhige Flussauen und Seen zum Brüten. Dazu kommen viele Fressfeinde wie Waschbär, Mink oder Krähen. Hier im Wolfsbruch jagt zudem der Schwarzmilan. Je größer eine Kolonie ist, desto wehrhafter ist sie gegenüber allen Feinden.“

Weil zudem oft Wasserpflanzen zum Nestbau fehlen, haben ehrenamtliche Vogelschützer jetzt künstliche Nisthilfen, sogenannte Brutflöße ausgebracht, um den Seeschwalben ausreichend Nistmöglichkeiten zu bieten. Darüber hinaus hat die Naturschutzbehörde des Landkreises vier Absperrtonnen beschafft und von Mitarbeitern der Potsdamer Außenstelle des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Spree-Havel vor der Trauerseeschwalbenkolonie ins Wasser setzen lassen. „Der Wellenschlag der zahlreichen großen oder mitunter zu schnell fahrenden Boote kann die Gelege umkippen. So wollen wir hier durch die Kennzeichnung für den nötigen Sicherheitsabstand sorgen“, sagt Reinhard Baadke und bedankt sich für die Unterstützung durch die Bundes-Wasserstraßenbehörde. Die Absperrtonnen werden jährlich durch Mitarbeiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes ausgebracht und eingeholt sowie auf dem Betriebsgelände in Potsdam gewartet und gelagert.

Da auch Paddler oder Menschen auf Stand-up Paddle Boards zu dicht an die Kolonie heranfahren und die empfindlichen Vögel während des Brutgeschäfts aufschrecken, wurden zwei Hinweistafeln vor der Kolonie im Wasser verankert. Die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg hatte die Tafeln gestaltet und herstellen lassen. „Oftmals führen einfach Unwissenheit oder Unachtsamkeit zu Störungen der Natur. Mit Infomaterialien wie den beiden Hinweisschildern wollen wir die Wassersportler sensibilisieren, Rücksicht zu nehmen“, sagt Ninett Hirsch vom NaturSchutzFonds Brandenburg. 

Trauerseeschwalben können bis zu 20 Jahre alt werden und leben und brüten in Kolonien. Den Winter verbringen die Vögel an der Küste Westafrikas in Mauretanien, Ghana und Nigeria. Im Frühling starten sie auf die lange Reise gen Norden in ihre Brutreviere. Nach nur drei Monaten machen sich die Langstreckenflieger im Juli dann wieder auf nach Afrika.

Bilder

Die Absperrtonnen werden vom Schiff des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Spree-Havel eingesetzt._Quelle Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg
Die Tonnen sorgen für genügend Sicherheitsabstand zu Kolonie._Quelle Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg
Infotafeln sensibilisieren Paddler. (3 Fotos: Marc Thiele)
Seit zehn Jahren brüten die gefährdeten Trauerseeschwalben im NSG Wolfsbruch. Foto: Reinhard Baadke
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