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Potsdam untersagt Wasserentnahme aus Oberflächengewässern

Stadtgeschehen
  • Erstellt: 29.06.2022 / 06:42 Uhr von at/pm
Die Landeshauptstadt Potsdam als Untere Wasserbehörde hat die Entnahme von Wasser aus Oberflächengewässer per Allgemeinverfügung untersagt. Das gilt für die Entnahme mit Pumpeinrichtungen aus Seen, Flüssen und Gräben auf dem Gebiet der Landeshauptstadt Potsdam zum Zweck der Bewässerung.

In Potsdam sind insbesondere seit 2018 jährlich wiederkehrendes extremes Niedrigwasser in den Frühjahrs- und Sommerhalbjahren zu verzeichnen, wobei die Wasserdefizite in den Wintermonaten nicht wieder vollständig ausgeglichen werden können. Angesichts des menschengemachten Klimawandels ist insgesamt mit wärmeren Jahresdurchschnittstemperaturen und geringeren Niederschlägen in den Sommermonaten zu rechnen. Laut Landesamt für Umwelt Brandenburg fallen sieben der zehn wärmsten Jahre seit Beginn der Datenaufzeichnungen im Jahr 1881 in den Zeitraum 2000 bis 2022, die drei wärmsten Jahre in Brandenburg waren 2019, 2020 und 2018. Zudem waren in den vergangenen zehn Jahren acht Frühjahre trockener als das langjährige Mittel. Bei den Sommermonaten sieht es nicht viel besser aus: Hier waren in den vergangenen zehn Jahren sechs Sommer zu trocken oder haben gerade so das langjährige Mittel erreicht.

Die bisher in diesem Jahr örtlich begrenzt und in geringer Menge gefallenden Niederschläge konnten nicht zu einer Entspannung der Situation beitragen. Wegen der hohen Temperaturen verbunden mit hohen Verdunstungswerten, der weiterhin geringen Niederschlagsmengen und der aktuellen Wetterprognose ist davon auszugehen, dass die extreme Trockenheit und die damit einhergehenden geringen Wasserstände der Potsdamer Gewässer bis in den Herbst andauern werden. 

Die Verfügung gilt ab sofort bis zum 10. Oktober 2022 – es sei denn, sie wird vorher widerrufen. Es wird darauf hingewiesen, dass Zuwiderhandlungen gemäß Wasserhaushaltsgesetz mit Geldbußen von bis zu 50 000 Euro geahndet werden können. Die Landeshauptstadt Potsdam hat unter anderem ein Boot, mit welchem von der Wasserseite aus Entnahmen identifiziert werden können, da die entsprechenden Wasserpegel diese offenlegen.

Gerade in den warmen Monaten bewässern viele Bürgerinnen und Bürger ihre Grundstücke und nutzen dafür Oberflächenwasser. Auch wenn die einzelnen Wasserentnahmen meist nicht sehr groß sind, so summieren sie sich auf. Dadurch sind die Gewässer zusätzlichem Stress ausgesetzt, der sich unter anderem im Rückgang der Wasserstände sowie im vermehrten Algenwachstum und Fischsterben aufgrund von Sauerstoffmangel auswirken kann. Um diese negativen Auswirkungen möglichst gering zu halten, untersagt die Landeshauptstadt Potsdam als Untere Wasserbehörde zum Wohl der Allgemeinheit und zum Schutz von Natur und Umwelt die Wasserentnahme. In diesem Zusammenhang wird darauf hingewiesen, dass auch durch die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes keine Wasserentnahmen mehr aus Bundeswasserstraßen genehmigt werden.

Die Landeshauptstadt Potsdam ruft ihre Bürger zum sparsamen Umgang mit Wasser auf. Dies kann unter anderem durch folgende Maßnahmen erfolgen:

1. Um die Wasserverluste durch Verdunstung möglichst gering zu halten, sollte die Bewässerung in den frühen Morgenstunden oder den späten Abendstunden erfolgen, da dies die kühlsten Tageszeiten sind.

2. Durch die Installation von Regenspeichern in Form von Tonnen oder Zisternen kann Wasser in niederschlagsreichen Monaten aufgefangen und in den warmen Monaten verwendet werden.

3. Durch eine Schicht aus Rindenmulch, Häckselgut aus dem Garten oder Rasenschnitt kann der Boden unter Bäumen und Sträuchern länger feucht gehalten werden.

4. Das Gießen von Pflanzen sollte selten und kräftig erfolgen, da dies den Boden nachhaltiger und tiefer wässert als häufiges Gießen.

5. Generell sollte auf die Anlage großer Intensivrasenflächen (englischer Rasen) und deren Bewässerung verzichtet werden.

6. Der Einsatz von speziellen Bewässerungssystem (z.B. Tröpfchenbewässerung bei Solitärpflanzen) sollte geprüft werden, um gezielt am Ort des Bedarfes zu Bewässern.

Die Allgemeinverfügung ist im Sonderamtsblatt 20/2022 am 28. Juni 2022 veröffentlicht worden: [Klick]

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