Im Jahr 1999 legten 456 Männer und Frauen bei der Handwerkskammer Potsdam erfolgreich ihre Meisterprüfung ab. Der jüngste dieses Jahrgangs war damals 21, der älteste 48 Jahre alt. Rund 120 dieser Handwerkerinnen und Handwerker aus 16 Gewerken wurden am Samstag, 16. November, im Kongresshotel Potsdam für 25 Jahre unermüdlichen Einsatz, Innovation und Leidenschaft im und für ihr Handwerk mit dem Silbernen Meisterbrief geehrt.
Viele der Absolventen des Jahrgangs 1999 gründeten einen Handwerksbetrieb, führten ein Familienunternehmen weiter oder übernahmen als Ausbilder oder Betriebsleiter besondere Verantwortung. Rund 340 von ihnen sind heute noch als selbstständiger Meister oder als angestellte Fachkräfte in Westbrandenburg aktiv.
Robert Wüst, Präsident der Handwerkskammer Potsdam, und Britta Elm, die Moderatorin der Veranstaltung, erinnerten an die weltumspannenden Geschehnisse des Jahres 1999: Bill Clinton war US-Präsident, eine Sonnenfinsternis brachte den Augenoptikern Umsatz mit den passenden Brillen, der Euro wurde als Buchgeld eingeführt, die Dotcom-Unternehmen erlebten ihren börsentechnischen Höhepunkt und in Brandenburg gewann Manfred Stolpe die Wahl. Die Erwartungen an die Zukunft waren groß, die Unsicherheiten auch. Dennoch hat sich die Welt seit dem weiter gedreht, auch und gerade dank des Handwerks.
„Wir feiern ihr persönliches Lebenswerk“, so Robert Wüst. „Sie sind die Brückenbauer zwischen Tradition und Zukunft.“ Denn die Meister und Meisterinnen hätten neue Technologien integriert und dabei stets die Tradition des Handwerks bewahrt. Auf diesen Umstand verwies auch der Festredner Prof. Dr. Sascha Friesike, der an der Universität der Künste Berlin den Lehrstuhl für Design digitaler Innovationen inne hat.
Er führte die Zimmerleute im Bregenzerwald als wegweisendes Beispiel an. Diese hätten sich Abbundroboter gekauft, mit dem sie alte Fachwerke, bspw. Raupenfachwerke, produzieren können, deren Herstellung in reiner Handarbeit viel zu aufwändig wäre. So gelänge es, mit Hilfe der Digitalisierung verlorene Herstellungstraditionen, die in analoger Verfahrensweise zu teuer geworden sind, wieder zu beleben und anzubieten.
Wichtig wäre, sich eine skeptische Neugier gegenüber dem Neuen zu bewahren, mithin weder ablehnend noch zu euphorisch zu sein. In dem Zusammenhang erinnerte Prof. Friesike an Ausgaben des Spiegels aus den Jahren 1964 und 1978, die vor den Gefahren einer zunehmenden Automatisierung warnten. Die Zeit hätte gezeigt, dass es neben den Gefahren eben immer auch Chancen gäbe, und so würde es im Rahmen der Digitalisierung auch sein.
Die Handwerkskammer Potsdam dankte mit der Festveranstaltung den Silbermeistern und ihren Familien für ihre Leidenschaft und ihren Beitrag zur Stärkung des Handwerks und der Region. Die Veranstaltung bot Gelegenheit für Gespräche und Austausch über die aktuellen Herausforderungen des Handwerks - auch mit Blick auf viele anstehenden Betriebsnachfolgen. Musikalisch wurde der Festakt vom Duo Aggi und Paul, dem singenden Maurermeister, umrahmt.
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