Tatjana Meissner gilt als Kabarettistin mit ostdeutschen Migrationshintergrund oder als Erika Berger des Osten oder auch als die „Femme fatale der Midlifecrisis“. Denn in ihren Bühnenshows, in ihren Büchern oder auch in ihren Podcast bzw. Videos behandelt sie die Themen Herkunft, Zukunft, Sex und Alt werden immer mit der notwendigen Prise Humor und Selbstironie. Charmant wird sie auch in diesem Jahr wieder den Jahreswechsel stimmungsvoll einläuten: in der bereits ausverkauften Potsdamer Waschhausarena.
Wir haben sie am Rande des Jahresendgeschehens getroffen, um über die wirklich wichtigen Dinge des Lebens zu sprechen. Sieben glorreiche Themenfelder haben wir fokussiert. Hier kommen die Antworten:
1. Sex: Wie beeinflusst das Thema Sexualität Deine Kabarett-Programme. Welche Reaktionen hast Du bislang auf Deine Witze in diesem Bereich erhalten?
Das Thema Sexualität hat den großen Vorteil, dass jeder Mensch damit bereits in Berührung kam und dass es immer noch tabubehaftet ist. Diese Mischung hat eine große Anziehungskraft und führt immer unweigerlich zu Lachern. Außerdem kann man das menschliche Verhältnis zur eigenen und zur Sexualität anderer immer auch auf sämtliche (gesamt-) gesellschaftliche Ereignisse und Absurditäten in Beziehung setzen.
Und nein, ich erzähle nicht einfach versaute Witze, eher gar nicht, ich erzähle humorvolle Geschichten, mit denen jeder schon einmal in Berührung kam und die deshalb zum Übersichselbstlachen animieren.
2. Jahreswechsel: Welche besonderen Erinnerungen oder Anekdoten verbindest Du mit dem Jahreswechsel und wie fließen diese in Deine Auftritte ein?
Den letzten Tag des Jahres wollen fast alle Menschen auf ganz besondere Art und Weise erleben. Sie besuchen Konzerthallen, Varietés, Theater oder Kabarettbühnen. Darüber freue ich mich als Künstlerin. So viele Zuschauer wie zu Silvester habe ich sonst eher selten auf einmal. Und das macht auch den besonderen Charme dieser Veranstaltungen für alle Beteiligten aus: Sehr viele, schick gekleidete und gut gelaunte Menschen treffen sich, um gemeinsam zu lachen. Besser geht´s nicht. Das genieße ich sehr. Darum ist jeder Silvesterabend für mich ein besonderer. Und ich hoffe jedes Mal, dass ich mindestens so gut spiele, interagiere und singe wie immer, damit meine Silvestershow zukünftig nicht als Anekdote in Erinnerung bleibt.
3. Neue Shows: Was können Deine Fans von Deiner nächsten Show erwarten?
Die nächste Show mit dem Titel „Generation Sex“ wird im Februar Premiere feiern und beinhaltet genau die Themen, die ihr in den sogenannten „Anleser“ geschrieben habt: Herkunft, Zukunft, Sex und Altwerden. In umgekehrter Reihenfolge. Wie schon in meiner Weihnachtsshow werde ich auch hier ein paar der extrem aufgebauschten gesellschaftlichen Absurditäten auf´s Korn nehmen. Was ich damit sagen will: Ich bin in den letzten Jahren etwas kritischer geworden. Die Politik lässt mir derzeit keine andere Wahl.
4. Herausforderungen: Was sind die größten Herausforderungen, mit denen Du als Kabarettistin konfrontiert bist?
Die im Alter wachsende Aufregung und die zunehmende Panik vergesslich zu werden. Inhaltlich treibt mich die Sorge um, dass Ironie in der Gesellschaft oftmals nicht mehr verstanden wird, wenn man kein entsprechendes Emoji – Gesicht dazu zieht und dass es immer anspruchsvoller wird, den Äußerungen, Handlungen und Befindlichkeiten unserer Politiker humorvolle Überhöhungen entgegenzusetzen.
5. Inspiration: Wer oder was inspiriert Dich in Deiner Arbeit als Kabarettistin?
Das Leben im Allgemeinen und im Besonderen. Die Beobachtung meiner Mitmenschen und meiner eigenen, sich ändernden Befindlichkeiten. Allerdings brauche ich dafür auch immer meinen Mann Carsten als Katalysator, Motor und Aufheiterer. Ohne ihn würde ich wahrscheinlich nur noch in meinem abgedunkelten Arbeitszimmer hocken, an einem fett- und salzfreien Tofuwürfel lutschen und bei weit aufgedrehter Heizung auf die Klimaerwärmung warten.
6. Humor: In einer Welt, die oft ernst und herausfordernd ist, welche Rolle spielt Humor für Dich persönlich und für die Gesellschaft insgesamt?
Ohne Humor kann ich ernste und herausfordernde Themen nicht verarbeiten. Humor hilft mir immer, Dinge, die ich ändern kann, anzugehen und Dinge, die ich nicht ändern kann, hinzunehmen. Solange ich auf gesellschaftliche und private Fragen keine zumindest ironische Erwiderung finde, kann ich darüber auch nicht auf der Bühne reden. Denn auf der Bühne möchte ich nur eins: glückliche Zuschauer, die die Herausforderungen des Lebens zwar nicht verdrängen, aber durch die Änderung des Blickwinkels leichter nehmen können.
7. Zukunft: Welche Wünsche oder Ziele hast Du in den kommenden Jahren? Gibt es bestimmte Themen, die Du gerne in Deinen Shows in Zukunft ansprechen würdest?
Die Themen, über die ich in der Zukunft reden möchte, entwickeln sich erst noch und sind abhängig von meiner körperlichen Verfassung, meinen Zuschauern und ein bisschen auch von zukünftiger Politik und ihren Folgen.
Was ich aber jetzt schon weiß: Ich schenke mir zu meinem 65. Geburtstag und meinem 55. Bühnenjubiläum Anfang 2026 eine Musik-Show. Zusammen mit meinem musikalischen Toyboy André Kuntze werde ich „Schmutzige Lieder“ vortragen. Aus 25 Jahren Comedy-Shows, die ich dann bereits hinter mir haben werde. Ich bin gespannt auf die Erinnerungen, die mit meinen alten Songs wieder aufleben werden und auf meine heutige Sicht auf einige Ereignisse der letzten Jahrzehnte.
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