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"Potsdam Exklusiv" auf Meetingpoint: #6/25: STERN 111. Hans Otto Theater bringt Lutz Seilers Roman auf die Bühne

Potsdam Exklusiv
  • Erstellt: 10.02.2025 / 19:01 Uhr von Potsdam Exklusiv
Bereits am 31. Januar erlebte das Theaterstück ‚STERN 111‘ in Potsdam seine Uraufführung. Die Premiere war genauso ausverkauft wie die Aufführung am Sonntag, 9. Februar. Offensichtlich treffen Themen der Wendezeit in Potsdam ihr Publikum, denn STERN 111 erzählt die Erlebnisse der Familie Bischoff aus Gera. Die Motivvorlage für diesen Stoff liefert der gleichnamige Roman von Lutz Seiler, der übrigens selbst auch aus Gera stammt und aktuell in Wilhelmshorst und Stockholm zu Hause ist.

Inhalt
Da ist der Sohn Carl, der nach Berlin zieht und dort in der Assel, einer damaligen Kneipe in der Oranienburger Straße, seine ersten kommunenhaften Erfahrungen macht. Eigentlich ist er Maurer, will aber Dichter werden. Er schließt sich der Hausbesetzerszene an, erlebt Freiräume und Anarchie, sucht seine Heimat und versucht, seine Eltern zu verstehen.

Denn seine Eltern, Inge und Walter, sind am 10. November rübergemacht. Carl selbst hat sie von Gera an die Grenze gefahren. Schließlich wollten sie ‚gute Flüchtlinge‘ sein und nicht mit dem eigenen Auto, einem Schiguli, im Flüchtlingsheim in Gießen vorfahren. Von Gießen aus erleben Inge und Walter die mühsame Jobsuche, den Jobverlust, das sich unter Wert verkaufen. Anfeindungen aufgrund ihrer unvorteilhaften Herkunft - aus dem Osten zu sein - sorgen dafür, dass gerade der Vater oft das lähmende Gefühl hat, unterlegen, gar wertlos zu sein.

Aber dann entwickeln sich die Dinge plötzlich ganz anders. Inge und Walter lernen US-Amerikaner kennen, die fragen nicht nach ihrer Herkunft, dort zählt die Leistung. Und da kann Vater Walter punkten: er kann fünf verschiedene Computersprachen.

Während die Eltern ihr Leben immer wieder mutig nach vorne treiben, wird das Leben Carls immer fragiler. Für Carl ist es ein Rätsel: Wie kann es sein, dass sie doppelt so alt sind, aber doppelt soviel Kraft haben wie ich? Schließlich wagt auch Carl einen Neubeginn und kommt sogar dem Elternrätsel auf die Spur.

Publikumsstimmen
Die Inszenierung rief recht unterschiedliche Stimmen hervor, was auch daran erkennbar war, dass einige Plätze nach der Pause leer blieben.

Renate Hellenthal: „Ich kenne das Buch nicht, fand die Umsetzung jedoch gelungen, man fühlt sich wieder erinnert an diese Zeit und an die Möglichkeiten, die sich damals einen geboten haben.“

Prof. Dr. Dieter Wiedemann: „Ich habe überlegt, ob ich zur Pause gehe. Als ich das Buch gelesen habe, habe ich gedacht, das wäre ein toller Film. Hier habe ich die ganze Zeit überlegt, was hat Frau Hattenbach (die Regisseurin) eigentlich inszenieren wollen?

Man merkt auch, das einige Schauspieler Schwierigkeiten mit dem Sprechen haben, kann natürlich auch gesundheitlich bedingt sein. Außerdem ist mir die Musik, die das Stück begleitet, zum Teil zu laut und zu viel. Theater hat doch auch etwas mit Ruhe zu tun. Manches wirkt mir zu karikiert, gerade bei den Eltern, wenn sie im Westen sind. Aber es gibt auch schöne Momente, so dass ich nun gespannt bin, wie es im zweiten Teil weitergeht.“

Katrine Lihn: „Das Stück ist eine Herausforderung. Ostsozialisiert zu sein, ist anders als westsozialisiert zu sein. Und der Unterschied ist nicht klein.“

Maike Dencker: „Es ist mitreißend, aber auch ein bißchen frustrierend zu sehen, dass es damals zwischen Ost und West nicht genügend Kommunikation gab.“

Isabelle Vandre: „Ich fand es großartig, weil aus dem (Buch)Text, der unglaublich viele Ebenen hat, ein dreistündiges Stück wurde. Ich bin fasziniert von der schauspielerischen Leistung als auch vom Bühnenbild, das mit viel Minimalismus gearbeitet hat, was trotzdem der Story sehr viel Leben eingehaucht hat. Jetzt habe ich das Bedürfnis über ganz viele Einzelheiten noch mal nachzudenken und zu diskutieren. Das Stück ist in jedem Fall gelungen und sehenswert.“

Weitere Vorstellungen am:
16. und 28. Februar
07., 09. und 15. März

Weitere Informationen unter [www.hansottotheater.de]

[Potsdam Exklusiv] ist dabei - bei den außergewöhnlichen Shows, den großen Bällen, wichtigen Events, am Tisch interessanter Menschen. Ab sofort gibt es davon auch regelmäßig Einblicke auf Meetingpoint Potsdam - ganz exklusiv.

Bilder

©Thomas M. Jauk
©Thomas M. Jauk
©Thomas M. Jauk
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