Geschichte Hinter der Werner-Seelenbinder-Straße lag ein Areal im Dornröschenschlaf. Es war das alte Grundstück der Feuerwehrwache. Als diese 2010 in die neue Wache in der Berliner Straße zog, waren mitten in der Stadt plötzlich 12.000 Quadratmeter frei.
Außerdem wurde 2010 der Sozialbau des ehemaligen Rechenzentrums von Potsdam, das von 1969 bis 1971 errichtet wurde, abgerissen. 2019 erfolgte der Abriß des zweigeschossigen Produktionsgebäudes.
Idee Kreativquartier Erhalten geblieben vom Rechenzentrum (RZ) ist noch der Verwaltungsbau. Er wird seit 2015 von der Kreativwirtschaft genutzt - übergangsweise. 2017 begannen an der Ostseite des RZ die seit langem geplanten Wiederaufbauarbeiten der Garnisonkirche, die 1968 gesprengt worden war. 2024 wurde der Turm (ohne Haube) fertiggestellt.
Da perspektivisch der letzte Teil des RZ abgerissen werden soll, war die Frage immer schwebend im Raum: Was macht man mit der Kreativwirtschaft?
Der Projektentwickler Glockenweiß kam auf die Idee, an der Stelle der Alten Feuerwehrwache hinter dem ehemaligen Alten Stall ein Kreativquartier zu errichten, in das dann die bisherigen Mieter des RZ umziehen könnten. Dieses neue Quartier sollte demnach auch Räume für einen günstigen Mietpreis vorhalten.
2019 schaltete die Landeshauptstadt eine Immobilienscout-Anzeige für diese Fläche zum Festpreis von 12 Millionen Euro und forderte zugleich ein Nutzungskonzept für Kunst und Kultur ein. Zwei Bewerber traten an. Den Zuschlag erhielt die Firma Glockenweiß, deren Konzept eine Mischung von Räumlichkeiten zu einem gewerblich-orientierten Mietpreis und subventionierte Flächen für kleinere und Kleinstunternehmen vorsieht. Fünf Prozent der Nutzflächen im Kreativquartier werden Wohnungen sein.
„Im Hinblick auf das neue Konzept war auch zu überlegen“, so Christopher Weiß, „Wer darf eigentlich Mieter werden?“ Denn die KKW - die Kunst- und Kreativwirtschaft - ist sehr heterogen. Zu ihr gehören u.a. die Gewerke bzw. Dienstleistungen wie: Musik, Buch, Print, Film, Fashion, Presse, Radio, Software & Gaming.
Zukunft Nun ist es fast wachgeküßt. Seit 2019 wird hier gebaut, aktuell findet der Innenausbau statt. Bis zum 2. Quartal 2026 soll alles fertig, die neuen Mieter eingezogen sein. Die sieben Gebäude und Freiflächen bilden ein kleines Village, das den unterschiedlichen Nutzungsanforderungen der heterogenen Mieter gerecht wird und durch variable Bewegungsräume vielfältige Interaktionen ermöglicht. Die Gesamtinvestitionssumme beträgt rund 120 Millionen Euro.
In Summe sind hier auf einer Grundfläche von rund 12.000 Quadratmetern 25.000 Quadratmeter Nutzfläche entstanden. Die Grundfläche ist dicht und urban bebaut. Es gibt fast drei Mal so viel Geschoßfläche wie das Grundstück groß ist. 16.000 Quadratmeter sind für die KKW vorgesehen, die Hälfte davon sollen besonders günstig vermietet werden an einen Generalmieter, der unter seinem Dach die kleinen und kleinsten Kreativen versammelt.
Eine Gruppe aus dem Bereich des RZ kam in dem Zusammenhang auf die Idee eine Genossenschaft zu gründen, die die Räumlichkeiten als Generalmieter für nur 3,70 Euro/qm (netto kalt) anmietet, und sie kleinteilig ab 5,70 Euro/qm (netto/kalt) vermieten kann. Aktuell vermietet das Rechenzentrum die rund 5000 Quadratmeter Fläche auf 5 Etagen für 10,36 Euro/qm warm.
Baustellenbesichtigung Nach dem Vortrag, der traditionell mit der Übergabe eines Gastgeschenkes endet, hatten die Mitglieder des Marketing-Clubs Gelegenheit, sich auf der Baustelle umzusehen.
Architektonisch besonders spannend ist der Lange Stall, dessen Dachfläche 120 Dachfenster und damit Raum für kleine Ateliers bereit hält. Die Supergaube bildet das Entree in die große Halle und damit in das Kreativzentrum ingesamt.
Das wichtigste Gebäude auf dem Areal wird die „Laterne“ sein, hier sollen Konzerte, Talks und viele andere Events stattfinden. In ein Gebäude wird eine Akademie für Medien und Bildung einziehen, ein Haus ist der Musik gewidmet: das Musikhaus.
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