Denn hier in der Marlene-Dietrich-Allee wird präsentiert, wie komplex das Filmemachen ist und war. Aufgezeigt werden technische Entwicklungslinien in Kombination mit der Darstellung, wie ein Archiv - und genau das ist ja ein Depot - arbeitet bzgl. Objektannahme, Aufbewahrung, Forschung.
Über eine Million Teile beherbergt das Archiv des Filmmuseum Potsdam, das 1981 im Marstall eröffnete und mittlerweile eines von drei Instituten der Filmuniversität ist. Das Archiv des Museums, einst in Bornstedt beheimatet, zog seit Anfang der 2000er Jahre in die Medienstadt um. Seit Anfang des Jahres ist das Schaudepot eröffnet.
Das Filmmuseum sammelt nicht nur Filme, sondern auch alles drum herum: 13 Abteilungen zeigen bzw. sammeln Objekte der Filmentstehung - von Kameratechnik bis zum Drehbuch.
Im ersten Raum des Schaudepots werden fast 400 Objekte der Filmtechnik präsentiert. Anhand der historischen Objekte - Bioskope, Kameras, Tonangeln - kann die Entwicklung vom Standbild zum Bewegtbild nachvollzogen werden. Gezeigt wird auch, wie so ein Depot aussieht - vom Regal bis zur Verpackung. Durch die Nummerierung der Objekte, die sich auf einer Website wiederfinden, lassen sich digital viele interessante Informationen über die Objekte erfahren.
Zudem will das Schaudepot vermitteln, wie Archive arbeiten, nach welchen Ordnungsprinzipien verwahrt wird, nach welchen Kriterien neue Teile Eingang in das Archiv finden, wie die Konservierung erfolgt. Gleich vier verschiedene Klimazonen gibt es im Depot, denn eine Kamera muss bei einer anderen Temperatur aufbewahrt werden als ein Textil.
In einem Nebenraum finden sich aus der Sammlung des Filmemachers Werner Nekes verschiedene Objekte der Pre-Cinema-Zeit: Schon zu früheren Zeiten überlegten sich die Menschen, wie man das Auge optisch täuschen kann, um Unterhaltung zu fabrizieren.
Der 2. Raum widmet sich der Szenografie und damit der Arbeit der Filmbaumeister bzw. Setdesigner, dessen Aufgabe es ist, die Handlung in eine Szenerie zu verwandeln, ihr Raum zu geben. Drehbücher, Kostüme, Szenenbilder, Modelle zu berühmten Filmen sind hier zu sehen und immer wieder ist zu erleben, wie diese Objekte im Archiv aufbewahrt werden.
Die Führung durch das Schaudepot übernahm der Mitarbeiter des Filmmuseums Sebastian Stielke, der zugleich Schauspieler, Hörbuchsprecher und Buchautor ist. Mit viel Freude und Enthusiasmus führte er kenntnisreich durch das Schaudepot, erläuterte nicht nur die Gerätschaften, sondern gab auch viel Wissenswertes rund um die Entstehung von Babelsberg als Heimstatt des Films zum Besten.
So erfuhren die Netzwerkmitglieder, dass es die großen unbebauten Freiflächen hier zwischen Griebnitzsee und Drewitz waren, die dazu führten, dass sich die UFA mit ihrer Filmproduktion niederließ. Am 12. Februar 1912 fiel in einem Glashaus-Atelier auf dem heutigen Studiogelände die erste Klappe zum Film DER TOTENTANZ mit Asta Nielsen in der Hauptrolle.
Oder dass der Countdown eine Babelsberger Erfindung ist. Diese kreative Idee von Fritz Lang entstand 1929 im Zusammenhang mit dem Film „Frau im Mond“.
Selbst Alfred Hitchcock arbeitete in Babelsberg 1925 als Regieassistent. Jahre später bekannte er, dass alles, was er über das Filmemachen wüßte, hier in Babelsberg gelernt hätte.
Die Vorreiterrolle des Standortes Babelsberg für die Filmproduktion ist bis heute geblieben. Neue Techniken finden sich hier oft zuerst. Zum Beispiel weihte die Babelsberger Volucap GmbH im Juni 2018 ihr volumetrisches Studio ein, in dem auch Matrix gedreht wurde.
Abschließend gab es den geselligen Ausklang des informativen Abends in den Räumlichkeiten von KW Developement, dem Entwicklungsträger des Areals, organisiert von Tilo Schneider, Geschäftsführer der Medienstadt Babelsberg Entwicklungsgesellschaft mbH. Bei unterschiedlichsten Gaumenfreuden tauschten sich die Netzwerkmitglieder aus und schmiedeten neue Pläne.
Wer auch in den Genuss einer Führung kommen will: ab 29. April bietet das Schaudepot monatliche Spezialführungen an. Im April liegt der Fokus auf der Filmtechnik.
Mehr Infos:
[
www.filmmuseum-potsdam.de]
[
www.gnwp.de]
[
www.kw-development.com]