Wie wichtig und wie vielfältig Handwerk ist, zeigte der Ausstellungs-Parcour „Erlebniswelten Handwerk“. Innungen und Handwerksbetriebe – darunter Bäcker, Konditoren, Elektroniker, Fleischer, Gebäudereiniger, Tischler und Dachdecker – präsentierten Kulinarisches, Innovatives und Traditionelles. Hier konnte probiert, gekostet, gefragt und mitgemacht werden. Besonders beliebt war der von der Havelländischen Zimmerer-Innung präsentierte ‚Hau den Lukas‘, den nur wenige Männer so hoch schlagen konnten, dass die Glocke erklang.
Robert Wüst, Präsident der Handwerkskammer Potsdam, eröffnete die Veranstaltung mit einem Blick auf die aktuell schwierige Lage vieler Handwerksbetriebe: „Nach zwei Jahren Rezession braucht die Wirtschaft Impulse für einen Aufschwung. Das Handwerk braucht Klarheit und Verlässlichkeit.“
Darüber hinaus erinnerte er daran, wie wichtig eine frühe Suche - nämlich rund 10 Jahre vor Übergabe - nach dem passenden Nachfolger ist. Viele machten sich zu spät auf diesen Weg auf, so Wüst. Die Handwerks-kammer stellt für die Suche verschiedene Events und Portale zur Verfügung, damit sich das perfekte Match zwischen Käufer und Verkäufer realisieren kann.
Ralph Bührig, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Potsdam, wies in dem Zusammenhang darauf hin: „Im Kammerbezirk stehen rund 43 Prozent der Betriebe vor der Frage der Nachfolge. Wir setzen uns dafür ein, dass mehr junge Menschen im Handwerk gründen oder einen Betrieb übernehmen. Dafür braucht es mehr gesellschaftliche Anerkennung für Unternehmertum – und deutlich weniger bürokratische Hürden. Nur so lässt sich die Zukunftsfähigkeit des Handwerks in Brandenburg sichern.“
Bezüglich des Bürokratieabbaus führte Brandenburgs Wirtschaftsminister Daniel Keller einen ersten Erfolg des Brandenburger Ausschusses für Bürokratieabbau an. Demnach könnten jetzt Aufträge bis 100.000 Euro direkt vergeben werden ohne aufwändige Vergabeverfahren und Formularschlachten. Bislang lag die Grenze hier bei 1.000 Euro. Des weiteren kündigte er an, die Meistergründungsprämie auch im kommenden Haushaltsjahr fortzuführen.
Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) und selbst Dachdeckermeister aus Dresden, lieferte einige Fakten zur wirtschaftlichen Lage des Handwerks deutschlandweit:
1,4% an Arbeitsplätzen hat das deutsche Handwerk im letzten Jahr verloren, die Umsätze stagnieren, die Investitionen sind schon seit 2014 zu gering. Das zeige sich u.a. am Durchschnittsalter des Fuhrparkbestandes. Dieses sei um ein Dreiviertel Jahr gestiegen, d.h. es wird nicht investiert!
Die Erwartungshaltung gegenüber der aktuellen Politik sei gewaltig, führte Dittrich aus. So müsse es nach wie vor um Bürokratieabbau gehen, mehr Eigenverantwortung, weniger Kontrolle seitens der Behörden, mehr Verbesserungen im Schulsystem bzgl. des Beherrschens von Lesen, Schreiben, Rechnen.
Insbesondere müsste sich die Gesetzgebung dahingehend verändern, dass junge Leute wieder Lust bekämen, sich im Handwerk selbstständig zu machen. Denn viele junge Menschen gingen eben nicht in die Selbstständigkeit aus Angst vor Bürokratie, erläuterte Dittrich.
Insofern müsse der politische Motor auf Betriebstemperatur kommen, denn, so Dittrich, „wenn es dem Handwerk gut geht, geht es dem ganzen Land gut. Wir sind nämlich überall.“
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www.hwk-potsdam.de].