Zu diesem Zeitpunkt war der Aufbau neuer Verwaltungsstrukturen im Land Brandenburg bzw. in der gesamten SBZ (Sowjetische Besatzungszone) nahezu abgeschlossen, das Sagen hatten die KPD und die SPD und damit linke planwirtschaftliche Kräfte, die die Vorgaben der sowjetischen Besatzungsmacht umsetzten.
Eine Abwärtsspirale in Richtung Diktatur war zu diesem Zeitpunkt bereits in Gang gesetzt. Dies zeigte sich in den Repressalien, denen die CDU-Gründer im Osten ausgesetzt waren, und an der Gleichschaltung der CDU als Blockpartei, nachdem 1946 die SED gegründet worden war.
Dr. Benedikt Wintgens, Generalsekretär der Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien Berlin, beschrieb in seinem Vortrag diese Anfänge der CDU in Brandenburg bis zu ihrer Renaissance als eigenständige Partei 1990.
In der anschließenden Podiumsdiskussion mit Dr. Jan Redmann, Vorsitzender der CDU Brandenburg, und Linda Teuteberg, FDP, sowie Daphne Wolter von der Konrad-Adenauer-Stiftung wurden die gegenwärtigen und zukünftigen Fragen erörtert: Wie ist den aktuellen politischen Herausforderungen zu begegnen und welche Perspektiven hat die bürgerliche Mitte in Brandenburg?
Rund 100 Gäste hörten interessiert zu und stellten im Anschluß kritische Fragen: Wie gelingt es, mehr Kompetenz in die Politik zu tragen? Braucht es Parteien überhaupt noch? Wie kann verloren gegangenes Vertrauen in die Politik im Allgemeinen wieder hergestellt werden?
Dass politischer Einheitsbrei nicht die Zukunft sein kann, da waren sich letztlich alle einig. Dies auch vor dem Hintergrund des Wissens, dass die SED-Diktatur die kritischen Mitbegründer der CDU verfolgte und mundtot machte. Einer von ihnen war Dr. Wilhelm Wolf, Gründer und erster Landesvorsitzender der CDU Brandenburg von 1945 bis 1948.
Auf dem Landesparteitag vom 7. bis 9. Mai 1948, als er zum dritten Mal als Landesvorsitzender wiedergewählt wurde, sprach er sich offen gegen das Totalitätsstreben der SED, für freie Wahlen und die Zusammenarbeit mit der West-CDU aus. Auch hielt er an der deutschen Wiedervereinigung fest. Unmittelbar danach kam er unter mysteriösen Umständen bei einem Autounfall ums Leben.
Seine Frau Erika floh im Sommer 1950 mit den drei Kindern nach Westberlin, um einer Inhaftierung zu entgehen. Tochter Maria von Pawelsz-Wolf, ebenfalls unter den Gästen an diesem Abend, erinnerte sich: „Es war nicht leicht für meine Mutter. Damals nach dem Tod des Vater war sie auf sich allein gestellt und hat alles getan, um uns, ihre Kinder, durchzubringen.“
Dieses Erbe ist für Maria auch Vermächtnis, denn noch heute tritt die über 80-Jährige für die CDU ein und als Zeitzeugin vor Schulklassen auf. „Ich mache das zum Dank an meine Eltern, die sich so engagiert haben und es hoch bezahlt haben.“
Für die Zukunft der Partei wünscht sie sich wieder mehr Bewußtsein, Hinwendung und Zuwendung zu den Bürgern hin, denn so sei sie auch aufgewachsen. „Es kamen immer Leute zu uns, die Hilfe brauchten, und meine Eltern haben versucht, ihnen diese Hilfe zuteil werden zu lassen. Heute fehlt mir diese Zuwendung der Politiker, das Interesse am Mitmenschen fehlt.“
Hoffnung gäbe ihr, dass sich immer noch junge Menschen für die CDU interessieren und sogar in die Partei eintreten. So wie auch einige der jüngsten Gäste an diesem Abend. „Deshalb halte ich die Zeitzeugenarbeit auch für sehr wichtig, um zu zeigen, wie problematisch diktatorische Entwicklungen für Land und Leute sind“, so Maria von Pawelsz-Wolf.
Der Abend klang im gegenüberliegenden Cafe bei Snacks, Wein und vielen bilateralen Gesprächen aus.
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