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Lernort Garnisonkirche trauert um Mitbegründer Micha Brumlik

Stadtgeschehen
  • Erstellt: 16.11.2025 / 11:01 Uhr von hvf
Der Lernort Garnisonkirche und sein wissenschaftlicher Beirat trauern um Micha Brumlik, der am 10. November im Alter von 78 Jahren verstorben ist. Der Pädagoge, Publizist und Theologe war Mitbegründer des Lernorts Garnisonkirche und leitete den wissenschaftlichen Beirat. Brumlik prägte die inhaltliche und wissenschaftliche Arbeit des Lernorts entscheidend mit, gab wichtige Impulse und initiierte zahlreiche Diskussionen über Erinnerungskultur und historische Verantwortung.

Zu seinen Beiträgen zählten unter anderem ein Vortrag zum Thema „Volk, Gott und Judenhass – Evangelische Theologen und der NS“ im Rahmen der Tagung „Gott mit uns. Das schwierige Erbe des Nationalsozialismus“ im Jahr 2021 sowie ein Gespräch mit dem Ministerialdirektor beim Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Andreas Görgen, im Mai 2022. Auch ein gemeinsam mit Annette Leo verfasster Brief an das Kuratorium der Stiftung Garnisonkirche im Februar 2023 gehörte zu seinen wegweisenden Initiativen.

Noch im März 2024, bereits gesundheitlich angeschlagen, unterstützte Brumlik einen offenen Brief des Lernorts, in dem gefordert wurde, den Feldaltar der Garnisonkirche Potsdam an das Deutsche Historische Museum zu übergeben und ihn nicht mehr liturgisch zu nutzen. Brumlik hatte wiederholt betont, dass der Wiederaufbau des Turms der Garnisonkirche „auf erschreckende Weise“ zeige, „wie sehr es Rechtsextremen in Potsdam gelungen ist, die gesellschaftliche Mitte zu infiltrieren und im öffentlichen Diskurs revisionistische Geschichtsdarstellungen und neu-rechte Argumentationen dauerhaft zu etablieren“.

Nach seinem Tod übernehmen die Historikerin Annette Leo und der Religionswissenschaftler Horst Junginger gemeinsam den Vorsitz des wissenschaftlichen Beirats. Leo war bereits seit der Gründung stellvertretende Vorsitzende des Gremiums.

Bei der Beisetzung auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee würdigte Beiratsmitglied Michael Daxner Brumlik als einen Menschen, der aus jeder Kommunikation Fortschritt und Friedlichkeit entstehen ließ. Für viele habe er das Band geknüpft, das sie nun im Gedenken an ihn verbinde. Daxner erinnerte an Brumliks Begeisterung für Lehre, Diskussion und den intellektuellen Austausch: „Er war einer der Letzten meiner Generation, und der Abschied gemahnt den Ablauf unserer Zeit.“

Philipp Oswalt, Leiter des Lernorts Garnisonkirche, betonte, dass mit Brumlik ein Mensch verloren gehe, der in seltener Weise intellektuelle Präzision, humanistisches Denken und gesellschaftliches Engagement verband. Brumlik habe sich durch souveränes Urteilsvermögen, Unabhängigkeit und die Bereitschaft ausgezeichnet, auch unbequeme Positionen einzunehmen. Seine Stimme bleibt als eine der prägenden im öffentlichen Diskurs über Erinnerung und Verantwortung in Erinnerung.

Bilder

Micha Brumlik (Zweiter von rechts) mit Manfred Gailus, Michael Daxner und Annette Leo auf dem Dach des Rechenzentrums, die Baustelle des Wiederaufbau der Garnisonkirche im Hintergrund, Quelle: Lernort Garnisonkirche im Kunst- und Kreativhaus Rechenzentrum
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