Schon der Ort des Geschehens sagt viel aus, über das, was diesen Abend zum Frühlingsbeginn besonders machen wird. Wir sind in der Society. Manche sagen „Ach, in der Scheune!“ Und in der Tat: es ist ein ehemaliges Scheunenobjekt bzw. die alte Werkstatt eines bekannten Potsdamer Tischlermeisters, in der Berliner Straße, unweit der Kreuzung zur Nuthe-Schnell-Straße. An diesem Samstagabend lädt die Society ein, Musik aus den Achtziger und Neunziger Jahren, teilweise auch jünger, zu hören und zu feiern.
Dabei bleibt es nicht nur beim Abspiel der RadioVersions, sondern vielmehr gelingt es den DJ’s die Originaltracks mit dumpfen Beats und MixedVersions zu unterlegen und zu kombinieren. Herauskommt ein einzigartiger EDM-Moove. Die Betonung liegt auf Moove. Denn die Electronic Dance Music (EDM) bringt jeden zum Tanzen, zum Mitwippen, zum Mitgrooven.
Hinter POTZDAMN stehen zwei DJs, deren musikalische Biografien unterschiedlicher kaum sein könnten – und sich gerade deshalb ergänzen: DJ bmp und Electropapa. DJ bmp sieht Musik als verbindendes Element, als sozialen Raum. Seine Sets bauen Spannungen auf, lösen sie ein, lassen Luft zum Atmen. Kein Zynismus, kein Kalkül – sondern ein tiefes Vertrauen in die Wirkung guter Songs zur richtigen Zeit. Electropapa hat gelernt, dass Tanzmusik funktionieren muss. Körperlich. Direkt. Unmissverständlich. Die Techno-Szene, eher roh, funktional, maschinell, ist für ihn kein Gegensatz, sondern die populäre Oberfläche derselben Energie. Deshalb sind seine Sets clubtauglich, gepaart mit einer gewissen Härte ohne Arroganz.
Im maroden Charme, den die Scheune bzw. den die Society bietet, entfalten sich die Rhythmen ganz unkonventionell. Keine Kontrolle, sondern Freiheit. Nicht angepaßt, sondern ungezähmt. Wer die Räumlichkeiten der Society betritt, fühlt sich in das revolutionäre wilde Berlin der Nach-Wendezeit zurückversetzt. „Wenn ich hier so auf der Couch sitze, dann fühle ich mich wie früher, ich bleib hier erst mal sitzen“, so Jana Schenk aus Potsdam, die dann aber doch irgendwann mal aufstand, um die Musikwellen in sich aufzunehmen.
Ähnlich sahen es auch Melanie und Michael Gläser: „Wir wollten einfach mal wieder den Soundtrack unserer Jugend hören, deswegen sind wir heute hier.“
In einer Zeit, in der Clubkultur zunehmend berechnend und geleckt wirkt, erscheint POTZDAMN beinahe anachronistisch. Und gerade darin liegt seine Stärke. Es erinnert daran, dass elektronische Musik einmal aus dem Bedürfnis entstand, Räume neu zu denken. Temporär. Zweckentfremdet. Intensiv.
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