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Geschichten an der Garnisonkirche: Zwischen Preußenflair und Klimastress

Stadtgeschehen
  • Erstellt: 05.04.2026 / 12:01 Uhr von Christiane Fuchs
Am 2. April veranstaltete die Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche Potsdam (FWG) ihr monatlich stattfindendes Format „Geschichte (n) an der Garnisonkirche“. Rund 30 Interessierte kamen in die Veranstaltungsetage des Plögerschen Gasthofes, wo Dr. Jörg Wacker einen Vortrag hielt zum Thema „Die Gestaltung des Ruinenberges im Park Sanssouci und die gegenwärtigen Herausforderungen bei der Regeneration seines Gehölzbestandes“.

„Mit dieser Veranstaltungsreihe, immer am 1. Donnerstag im Monat, laden wir seit fast vier Jahren regelmäßig dazu ein, unterschiedliche Perspektiven und Themen genauer kennenzulernen, sie gemeinsam zu entdecken und zu verstehen. Unterschiedliche Referentinnen und Referenten eröffnen dabei immer wieder vielfältige Sichtweisen, über die die Gäste nach dem Vortrag miteinander ins Gespräch kommen können. Uns als Fördergesellschaft ist wichtig, dass wir mit unserem sehr gut angenommen Angebot unterstreichen können, das die Garnisonkirche auch ein Ort werden soll, an dem Menschen jeden Alters zusammen kommen, um miteinander zu den verschiedensten Themen miteinander in den Dialog zu treten“, führte die Vorsitzende der FWG, Maike Dencker, aus, und begrüßte zugleich die Gäste.

Dr. Jörg Wacker, Kustos für Gartendenkmalpflege der SPSG, erläuterte die Entwicklung des Ruinenbergs und zeigte, wie sich Landschaft und Nutzung im Laufe der Zeit verändert haben.

Ursprünglich war der Berg, der einen Grundmoränenzug der Weichseleiszeit darstellt, bewaldet. Schon immer wurde er auch landwirtschaftlich genutzt. Es gab Ackerflächen, Weinberge, Windmühlen und sogar Rebhuhn-Haltung. Später kamen militärische Nutzungen hinzu.

Die bekannte Ruinenanlage, die dem Hünenberg bzw. dem Höneberg mit seinen 74,1 Metern seinen neuen Namen gab, ließ Friedrich II. im Jahr 1748 errichten. Sie sollte sowohl als romantische Kulisse im Stil einer antiken Tempelruine dienen als auch ein Wasserbecken zur Versorgung der Fontänen und Gartenflächen im Park Sanssouci betreiben.

Ab 1840 gestaltete Peter Joseph Lenné den Berg landschaftlich neu. Er pflanzte gezielt Bäume wie Buchen und Eichen, deren Laubfärbung im Herbst einen besonderen Kontrast bilden. Generell orientierte er sich am Vorbild des englischen Landschaftsgartens. Die Chaussee, die heutige B273, verlegte er behutsam näher zum Bornstedter See. Spätere Landschaftsgärtner pflanzten andere Bäume, so dass sich das Erscheinungsbild des Berges regelmäßig veränderte.

Heute steht der Ruinenberg vor ökologischen Herausforderungen: Trockenheit, Sturm und UV-Strahlung setzen den Bäumen zu. Etwa die Hälfte des Baumbestandes sei geschädigt, führte der Kustos aus. Auch die höheren Besuchszahlen des Berges bereiten Bäumen und Gehölzen Stress.

Gerade die Buchen, die anfänglich die Eichen verdrängt haben, verlieren jetzt den Überlebenskampf. Schädlinge, wie Käfer und Pilze, setzen ihnen mehr zu als den Eichen, die sich als widerstandsfähiger erweisen, so Dr. Wacker. Um besonders robuste Sämlinge und Setzlinge zu ziehen, hat sich die Schlösserstiftung entschieden, an die Tradition einer eigenen Baumschule anzuknüpfen. Auf 6.200 Quadratmetern werden seit 2026 verschiedene Gehölze direkt auf dem Ruinenberg angebaut.

Bis in die 1970er Jahre wurde hier eine Baumschule betrieben. Danach bevorzugte man die Möglichkeit, Bäume von anderen Baumschulen zu kaufen. So hätte man mehr Kapazitäten für die Parkbewirtschaftung gehabt, erklärte Dr. Wacker. Doch heute weiß man, dass eigene Gehölze besser passen als externe, da sie mit dem Boden und der Umgebung vertrauter sind. Ihre DNA hat quasi den für diesen Berg notwendigen Erfahrungsschatz, was sie robuster mache, so der Bewahrer des Berges. Auch wolle man mit einigen Arten experimentieren und die Ergebnisse dokumentieren.

So bleibt die Hoffnung, dass sich der Wald trotz der Belastungen langfristig erholt. Denn letztlich zeige sich die Natur immer anpassungsfähiger als erwartet, stellte der Gartendenkmalpfleger fest.

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