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OB-Kandidatin Martina Trauth im Quick-Check von A bis Z

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Stadtgeschehen

Erstellt: 30.08.2018 / 17:08 von at

Meetingpoint hat die Kandidaten der Oberbürgermeisterwahl am 23. September zu Potsdamer Themen befragt. In einem Quick-Check von A bis Z galt es Antworten auf Fragen zu geben, die Potsdamer interessieren. Heute die Antworten von Die Linke-Kandidatin Martina Trauth.

Abtritt Jann Jakobs
Aus vielen Gesprächen in den letzten Wochen weiß ich, die Potsdamer*innen wollen einen Politikwechsel in Potsdam. Die Stadtspitze und politische Mehrheiten in der Stadtverordnetenversammlung haben es seit der Wende nicht wirklich verstanden, die verschiedenen Interessen der Potsdamer Zivilgesellschaft, der alten wie der neuen, der armen wie der reichen Potsdamer*innen zu einem Ausgleich zu bringen.
Deshalb werde ich nach meiner Wahl einen neuen Politikstil praktizieren: transparent und demokratisch, mit und nicht gegen die Potsdamerinnen und Potsdamer, respektvoll und mit ehrlichem sozialen Anspruch. Die wirksame Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger ist dabei unverzichtbar.

Bezahlbare Mieten
Mein Wahlziel Nr. 1: Wohnraum für jeden Geldbeutel
Für mich ist Wohnen ein Grundrecht. Ganz gleich ob Studierende, junge Familien oder Alleinerziehende, Arbeitende, Migrantinnen und Migranten, Menschen mit Grundsicherung, Rentnerinnen und Rentner. Wir alle haben ein Recht auf bezahlbaren Wohnraum, denn Potsdam ist auch unsere Stadt.
Ich stehe für den Erhalt städtischen Eigentums und eine aktive Bodenpolitik in Potsdam. Deswegen werde ich mich dafür einsetzen, dass die Stadt Einfluss auf die Mietpreisentwicklung zurückgewinnt. Dazu werde ich die Veräußerung städtischen Grund und Bodens stoppen und zusätzlich Flächen ankaufen. Mein Ziel ist der Erhalt und die Erweiterung sozialen Wohnraums mit fester Quote in Höhe von 30 Prozent und dauerhafter Belegungsbindung. Außerdem möchte ich Teile von Pro Potsdam in die Gemeinnützigkeit überführen, um so leistbare Mieten für einkommensschwache Haushalte zu schaffen.

Circus Montelino – Neugestaltung Volkspark
Ich hatte vor kurzem großen Spaß dabei, mit den Kindern, mit und ohne Behinderung, an einem Nachmittag in der Grundschule Bornstedter Feld die nächste Aufführung vorzubereiten. Großes Lob an die Betreuerinnen und Betreuer. Großartige Initiative, die Potsdam lebenswerter macht. Unbedingt erhaltenswert.
Den Volkspark werde ich in seinen bisherigen Grenzen erhalten. Ein wichtiger Treffpunkt für Freizeit, Sport und Spiel. Ich werde mich für eine nachhaltige Stadtentwicklung einsetzen, um Parks, öffentliche Grünflächen, Kleingärten und Biotope zu erhalten.

DDR-Architektur
Die Rathausspitze in Potsdam hat sich bewusst für eine Nacherzählung der Preußischen Garnisonstadt entschieden. Unter sehr einseitiger Auslegung einer „behutsamen Stadterneuerung“ wurde der Fokus auf die möglichst originalgetreue Wiederherstellung der Stadtmitte gerichtet, dabei der Dialog mit Bürger*innen gar nicht oder nur widerwillig geführt. Der Umgang mit den Bürger*inneninitiativen gegen den Abriss der Fachhochschule, des Mercure, des Minsk als Baukultur der DDR und gegen den Wiederaufbau des Turms der Garnisonkirche sind dafür Beispiele.
Für mich, die ich aus dem Westen zugezogen bin, ist die DDR-Architektur ein Thema, dem ich mich mit großer Ernsthaftigkeit und viel Respekt für die Gefühle der Menschen, die in Potsdam groß geworden sind zuwende. Ich halte nichts von der „Barockisierung“ Potsdams. Das ist mir zu langweilig und zu sehr rückwärts gerichtet. Ich liebe gelungene moderne Architektur, die häufig Spannungsbögen aufmacht zwischen Geschichte und Zukunft. Auch wenn der Turm der Garnisonkirche jetzt gebaut wird, ein Kirchenschiff dazu brauchen wir aus meiner Sicht nicht. Hier sollten über eine Symbiose mit dem Rechenzentrum nachgedacht werden.

Einzelhandel
Wirtschaftsförderung wird eines meiner Kernthemen als Oberbürgermeisterin sein. Dabei hört die Wirtschaftsförderung nicht bei Großunternehmen oder Start-Ups auf. Eine Stadt wie Potsdam mit ihrer Wachstumsproblematik baut auf einem funktionierenden Mittelstand, einschließlich Einzelhandel und Handwerk auf. Gespräche, um herauszufinden wie die Stadt besser für diese Wirtschaftssektoren arbeiten kann, werden regelmäßig in meinem Kalender stehen.

Fachhochschule
Nun ist sie weg. Der DDR Bau in der Stadtmitte. Ich hätte mir gut vorstellen können, mit moderner Architektur ein lebendiges, quirliges, kreatives Zentrum an diesem Ort zu schaffen. Die Aufgabe bleibt, mit moderner Architektur und kulturellen Angeboten Potsdam in der Mitte lebendiger und bezahlbar machen.

Garnisonskirche
Ein problematischer Bau mit einer problematischen Geschichte. Unauflösbar verbunden mit verheerenden Kriegen, die von deutschem Boden ausgingen. Der im Aufbau befindliche Turm soll für Frieden und Versöhnung stehen. Das wird noch zu organisieren sein. Daneben das Rechenzentrum, DDR-Funktions-Architektur, in der gegenwärtigen Nutzung ein selbst organisiertes Kulturzentrum, das heute bereits täglich Versöhnung und Friedfertigkeit in die Stadt trägt. Das Nebeneinander oder besser noch miteinander dieser beiden Einrichtungen war in der Vergangenheit kein Vorzeigeprojekt. Als Oberbürgermeisterin werde ich die Akteure an meinen Tisch einladen, um zu besseren Lösungen zu kommen.

Havelübergang
Mein Wahlziel Nr. 4 lautet: Mehr Mobilität, weniger Verkehr.
Die Verkehrspolitik in Potsdam läuft den Anforderungen unserer wachsenden Stadt nur noch hinterher. Ich will mich für die Entwicklung eines strategischen Mobilitätskonzeptes für ganz Potsdam unter Einbeziehung der Umlandgemeinden einsetzen. Ich bin für den Vorrang des ÖPNV und der Fußgänger- und Fahrradverkehre, d.h. aber nicht, dass ich Autofahrer diskriminieren will, sondern ich will sie motivieren, ihr Auto stehen zu lassen.

Innenstadt - Identität
Es reicht nicht aus, wenn Tagestouristen staunend die Barockgebäude in der Potsdamer Innenstadt besichtigen. Sind die Touristen weg, kehrt Ruhe im Museum ein. Die Innenstadt stirbt aus. Diesen Zustand kann man in vielen Städten in Italien und Frankreich besichtigen. Das darf in Potsdam nicht passieren. Potsdam braucht ein lebendiges, quirliges, innovatives, soziales und kulturelles Zentrum. Dazu gehören Räume für Kulturschaffende auch außerhalb von Museen und Galerien und ein vielfältiges Angebot von Kneipen, Restaurants und Clubs. Hier ist in der Vergangenheit viel schiefgelaufen. Es gibt Handlungsbedarf. Vielleicht bekommen wir ja auch, wie die Stadt Mannheim, einen „Nacht-Bürgermeister“? Spontan fiele mir sogar ein Kandidat dafür ein!

Jugendclubs, -kultur
Von den 25.000 Studierenden in Potsdam wohnt nur knapp ein Viertel in unserer Stadt. Diese Menschen fehlen Potsdam, deshalb kann man nicht wirklich von einer Jugendkultur sprechen. Das breite, vielfältige und sicherlich auch attraktive Angebot im Sport findet sich leider bisher in der Kultur nicht. Es fehlt vor allen Dingen an Proberäumen für Bands. Vorhandene Jugendkulturzentren, wie zum Beispiel das Freiland sind in ihrer Existenz gefährdet. Ich werde mich als Oberbürgermeisterin gemeinsam mit den Akteuren in diesem Feld dafür einsetzen, dass Potsdam eine erkennbare Jugendkultur bekommt.

Krampnitz
Die Planungen für das neue Stadtquartier sind in vollem Gange, Wettbewerbe sind gelaufen und Ergebnisse liegen vor. Begleitet wird all das seit 2018 von dem Fachbeirat „Forum Krampnitz“, in dem auch die Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung und Vertreter*innen der angrenzenden Ortsteile arbeiten. Sowohl der Inhalt als auch die Ergebnisse dieser Arbeit sind aber in der Einwohnerschaft kaum oder nicht bekannt.
Durch eine kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit kann und muss das geändert werden. So wird die Möglichkeit eröffnet, dass Bürger*innen frühzeitig ihre Vorstellungen, Hinweise und Kritik einbringen können. Die Aufnahme der Kinder- und Jugendvertretung in den Fachbeirat ist ebenso anzustreben wie die Mitgliedschaft anderer Vertretungen.
Die Chance, mit dem neu entstehenden Quartier eine ausgewogene soziale Mischung in einem lebendigen Stadtteil zu erreichen, ist für Potsdam fast einmalig.
Ich werde die nach öffentlichem Verlautbaren von der Deutschen Wohnen AG als größtem Wohnungsbauer im Entwicklungsgebiet geforderten und von ihr zugesagten 8,50 Euro Nettokaltmiete verbindlich sichern.
Auch für Krampnitz gilt meine Forderung nach mindestens 30% belegungsgebundenen Wohnungen. Es muss dafür Sorge getragen werden, dass studentisches Wohnen möglich, heißt auch bezahlbar ist, wie das Wohnen für Familien mit Kindern und ältere Bürger*innen.

Lebensqualität
Die Lebensqualität in Potsdam ist hoch. Laut einer aktuellen Studie ist Potsdam Deutschlands viertbeste Stadt zum Leben – aber nur für diejenigen, die es sich leisten können?
Potsdam ist eine gespaltene Stadt, eingeteilt in Arm und Reich und diese räumliche Spaltung wächst rasant.
Empörend für die sogenannte kinderfreundlichste Stadt Deutschlands ist jedoch, dass die räumliche Trennung von Kindern aus armen Familien in Potsdam noch höher liegt als in Berlin. In den benachteiligten Stadtteilen, wie dem Schlaatz, liegt die Kinderarmut bei über 26 Prozent.
Diese Kinder haben nicht die gleichen Chancen wie andere Kinder, weil sie von Anfang an weniger hatten. Das führt dazu, dass sie sich nicht anerkannt fühlen, dass sie frustriert sind und oftmals über eine schlechtere Bildung und somit über schlechtere Lebenschancen verfügen.
Eine wichtige Maßnahme, die in der Studie als wirksames Instrument gegen das Voranschreiten sozialer Segregation vorgeschlagen wird, ist die Schaffung sozialen Wohnraums auch dort, wo Arme typischerweise nicht leben. Ich schlage auch deshalb eine Neuausschreibung der Grundstückslose auf dem Brauhausberg vor. Nicht nur, um das Minsk als öffentlichen Ort zu erhalten, sondern auch um auf dem Brauhausberg sozialen Wohnraum zu schaffen.
Ebenso muss im neuen Stadtgebiet Krampnitz sozialer Wohnungsbau vorgehalten werden.
Das ist eine Stadtentwicklung, die allen Menschen gerecht wird und nicht nur den Wohlhabenderen.
Als Oberbürgermeisterin werde ich mich für soziales Wachstum einsetzen, das heißt ein Wachstum, das nicht am Profit ausgerichtet ist, sondern am Gemeinwohl.

Minsk
Ich schlage eine Neuausschreibung der Grundstückslose auf dem Brauhausberg vor. Nicht nur, um das Minsk als öffentlichen Ort zu erhalten, sondern auch um auf dem Brauhausberg sozialen Wohnraum zu schaffen. Dabei denke ich, anders als andere Kandidaten an das Minsk als wirklich öffentlichen Ort! Das meint nicht Wohnungen und auch nicht unbedingt eine Kita! Neue, kreative und innovative Lösungen müssen her, besonders für Potsdams Mitte.
Norden Potsdams
Hier sehe ich Licht und Schatten. Neben den gewachsenen dörflichen Strukturen stehen mehr und mehr die expandierenden Entwicklungsgebiete unserer Stadt. Wegen einer nicht optimalen Entwicklungsplanung wurden Grundstücke an private Investoren veräußert, die Wohnungen/Häuser unterschiedlicher Art gebaut und verkauft haben. Dabei wurde in den meisten Fällen versäumt, vorlaufend, zumindest aber zeitgleich, eine soziale und kulturelle Infrastruktur (Kitas, Schulen, Geschäfte, Begegnungsstätten, Arztpraxen usw.) zu schaffen. Daraus resultieren eine Vielzahl von Problemen, zum Beispiel die verkehrliche Anbindung mit den bekannten Problemen der Überlastung der Verbindungsstraßen.
Golm, das Entwicklungsgebiet am Jungfernsee und vor allem zukünftig Krampnitz werden zum Lackmustest der städtischen Boden- und Entwicklungspolitik. Schaffen wir Schlafstädte für besser Verdienende, möglichst noch mit Zäunen und Einlasskontrollen (so ist die Anmutung am Jungfernsee) oder entwickeln wir lebendige Ortsteile mit einer gesunden Durchmischung der Bevölkerungsstruktur und einer funktionierenden sozialen und kulturellen Infrastruktur?

ÖPNV
Mehr Mobilität, weniger Verkehr
Der ÖPNV hat in meinen Vorstellungen Vorrang vor den anderen Verkehrsmitteln. Dazu müssen allerdings eine ganze Reihe von Voraussetzungen erfüllt werden. Wir brauchen nicht nur Trassen und Züge, sondern auch Personal, wie wir gerade schmerzhaft erfahren haben, solange wir nicht autonom fahrende Straßenbahnen und Busse haben werden. Auch die von vielen Zukunftsforschern prognostizierten selbstfahrenden Fahrzeuge reduzieren nicht die Bedeutung des ÖPNV für längere Strecken. Wir benötigen für Potsdam die Entwicklung und Umsetzung eines strategischen Mobilitätskonzeptes. Hin zu einem fahrscheinlosen ÖPNV.

Parkeintritt
Freier Eintritt in unsere Parks ist mir genauso wichtig wie der freie Eintritt in unser städtisches Museum. Der freie Eintritt ist die demokratischste Form der „Kultur für Alle“. Dies sollte für eine relativ reiche Stadt wie Potsdam finanzierbar sein.
Qualität der Radwege
Ich fahre täglich mit meinem Rad zur Arbeit. Alles in allem ein sehr schöner Weg. Auf anderen Strecken stelle ich fest, dass die Qualität der Radwege in Potsdam deutlich verbessert werden kann. Da ich davon ausgehe, dass in Zukunft Fußgänger- und Radverkehre Priorität haben müssen, werde ich mit den Fachleuten in der Verwaltung und den Akteuren der Stadtgesellschaft (zum Beispiel dem ADFC) Konzepte und Ideen entwickeln, wie wir in Zukunft besser und sicherer mit dem Rad in Potsdam unterwegs sein können. Besonderes Augenmerk sollte dabei der Radwege - Sicherheit auf Schulwegen gewidmet werden.

Rechenzentrum
Mir liegt sehr viel daran, das Rechenzentrum sowohl als ein Stück DDR-Funktions-Architektur als auch als ein ganz besonderes Modell selbst organisierten Kulturschaffens dauerhaft zu erhalten. Ich habe mich in der Vergangenheit mit vielen Künstlerinnen und Künstlern unterhalten und eine hohe Wertschätzung für die vorgefundene Haltung und Arbeit entwickelt. Das Rechenzentrum trägt heute schon Versöhnung und Frieden in unsere Stadt. Ziele, die die daneben liegende Garnisonkirche ebenfalls in Zukunft verfolgen möchte.

Stern/Schlaatz – Soziale Stadt
Stern/Schlaatz sind Beispiele für wenig durchmischte Stadtteile oder „Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf“ im Programm Soziale Stadt. Wegen der fehlenden sozialen Durchmischung treten soziale Problemlagen hier geballter auf als in anderen Stadtteilen, z.B. Kinderarmut.
Dabei habe ich auf meinen zahlreichen Aufenthalten dort in der letzten Zeit viele überaus liebenswerte Menschen getroffen, von denen sich einige für ihren Stadtteil engagieren. Ich habe modernisierte Wohnblocks gesehen und gepflegte Grünanlagen und Begegnungsplätze. Aber nicht alle Häuser sind modernisiert und gut verwaltet.
Gemeinsam mit der Pro Potsdam, den Wohnungsbaugenossenschaften, den Gemeinwesensarbeiter*innen und den Initiativen werde ich die Strategie weiterverfolgen, diese Stadtteile über die Modernisierung der angebotenen Wohnungen (ohne Mietpreissteigerungen) und die Einrichtung von gepflegten Grünflächen, Begegnungsplätzen und sozialer und kultureller Infrastruktur attraktiver zu machen. Welche Entwicklung diese Stadtteile nehmen, wenn man sich nicht um sie kümmert, kann man in anderen Städten anschaulich betrachten. Solche Viertel hat beinah jede größere Stadt in Deutschland. Sie sind häufig in einem wesentlich schlechteren Zustand als unser Schlaatz.
In nahezu jedem Quartier habe ich inzwischen Menschen getroffen, die sich für das Viertel und die Menschen dort engagieren. Ich werde als Oberbürgermeisterin ihre Arbeit unterstützen, sei es durch professionelle Gemeinwesenarbeit oder durch kleine Budgets für Material und/oder Einrichtungsgegenstände (z.B. Bürgerbänke).

Soziale Stadt
Das bundesweite Programm Soziale Stadt unterstützt die Entwicklung von Stadtteilen mit besonderem Erneuerungsbedarf.
Auch durch dieses Programm haben sich die Wohngebiete Waldstadt, Am Schlaatz, Am Stern und Drewitz gut entwickelt.
Zwei Einzelprogramme aus dem Fördermittelprogramm Soziale Stadt werden auch in Potsdam in beiden Fördergebieten (Waldstadt/Schlaatz und Stern/Drewitz) in 2018 aktiv durch die Stadt kofinanziert. Bildung, Wirtschaft, Arbeit im Quartier (BIWAQ) und JUGEND STÄRKEN im Quartier.
Dadurch hat sich in Waldstadt/Schlaatz bereits vor Jahren ein breites Bündnis von Vereinen, Initiativen und Stadtverwaltung unter dem Namen „Allianz für den Schlaatz“ mit dem Ziel einer Verstetigung der Programmprojekte gebildet. In diesem Frühsommer wurden auf einem dreitägigen Abschlussworkshop Vorstellungen für die weitere städtebauliche und soziale Entwicklung dieser beiden Stadtteile Potsdams formuliert.
Auch wenn der Bund das Programm inzwischen eingestellt hat, die gute Arbeit muss fortgeführt werden. Finanzbedarfe müssen wir feststellen und dann Finanzierungsquellen erschließen.

Tourismus
Der Tourismus stellt für Potsdam einen bedeutenden Wirtschaftssektor dar. Jedes Jahr überzeugen sich Millionen Besucher davon, dass Potsdam eine der schönsten Städte Deutschlands ist. Die Aufenthaltsdauer ist mit 2,3 Tagen die höchste im Vergleich der deutschen Landeshauptstädte.
Ich kann mir durchaus vorstellen, für Potsdam in der Zukunft noch mehr touristische Angebote zu entwickeln. Dabei sind mir aber zwei Dinge besonders wichtig:
1. Die Belastung der Potsdamer Einwohner*innen darf nicht überhandnehmen. Insbesondere der Busverkehr muss so gelenkt werden, dass Verkehrsdichte und Schadstoffbelastung nicht zusätzlich gesteigert werden.
2. Die Qualität der touristischen Angebote sollte weiterentwickelt werden. Neben den Schlössern und Gärten und der etablierten Kulturszene können z.B. auch Einrichtungen der Subkultur touristisch vermarktet werden. Ein weiteres Beispiel ist die Zunahme des Schiffsverkehrs auf den Gewässern rund um Potsdam. Hier kann ich mir alternative Angebote, zum Beispiel Touren mit dem Paddelboot (Ökotourismus) vorstellen.
Die Belastung des Wohnungsmarktes durch den Tourismus, insbesondere durch die Vermietung von Wohnungen über Plattformen wie Airbnb, müssen wir aufmerksam beobachten und gegebenenfalls durch entsprechende Rahmenregelungen reduzieren. (Hierzu gibt es viel Erfahrung in Berlin)

Umgang mit Steuergeldern – teure Sparsamkeit
Im Vergleich zu anderen, vergleichbaren Städten hat Potsdam eine durchschnittlich hohe Gesamtverschuldung je Einwohner, jedoch einen extrem hohen Verschuldungsanteil in den Beteiligungen. Dadurch ist die Verschuldung im Kernhaushalt die mit Abstand geringste gegenüber den Vergleichsstädten. Auf dem gleichen Niveau waren in der Vergangenheit auch die Investitionskredite. Ebenfalls mit Abstand die geringsten gegenüber den Vergleichsstädten. Das hat zur Folge, dass heute die unabweisbaren Investitionen in den Bau von Wohnungen, Kitas und Schulen auf einen überaus angespannten Bausektor treffen. Die Unternehmen des Bausektors haben alle reichlich zu tun. Auf Ausschreibungen reagieren teilweise nur noch ein bis zwei Unternehmen. Das Bauen ist teurer geworden. Obwohl die demographische Entwicklung der Stadt seit Jahren die entsprechenden Investitionen nahegelegt hat. Im Vergleich der Landeshauptstädte rühmt sich Potsdam, mit eher wenig Personal auszukommen. Auch hier fehlt augenscheinlich die strategische Perspektive, denn der Markt für Fachkräfte wird eng und enger. Es gibt einige Stellen in der Potsdamer Verwaltung, die seit längerem unbesetzt sind und wo die Besetzung mit qualifiziertem Personal zukünftig nicht sicher zu sein scheint.

Verwaltung der Stadt
Ich arbeite als Gesundheitswissenschaftlerin in unterschiedlichen Funktionen seit 20 Jahren für die Stadtverwaltung Potsdam. Seit ich Leiterin des Büros für Vielfalt und Chancengleichheit bin, nehme ich an den wöchentlichen Sitzungen des Oberbürgermeisters mit seinen Beigeordneten teil. Ich kenne also die wesentlichen Themen, Entscheidungsprozesse und Ergebnisse des städtischen Managements. Ich beschäftige mich auch privat seit einigen Jahren intensiv mit Fragen des Public Management und der strategischen Steuerung von Kommunen. Ich habe konkrete Vorstellungen davon, welche Herausforderungen auf eine Oberbürgermeisterin als Chefin des Konzerns Stadt Potsdam zukommen und wie ich sie anpacken werde. Ich sehe vorrangig drei große Herausforderungen für die Verwaltungschefin in den nächsten Jahren:
1. Die strategische Steuerung muss ausgebaut werden. Jedes gut geführte Unternehmen braucht heute eine Vision, daraus sind Ziele abzuleiten und in die Umsetzung des täglichen Tuns zu überführen. Potsdam hat in den letzten Jahren viel Geld für Konzepte ausgegeben. Einige von ihnen haben durchaus die Qualität einer strategischen Konzeption. Ganz überwiegend hapert es jedoch mit ihrer Umsetzung. Das liegt nicht am mangelnden Willen der Verwaltungsmitarbeiter*innen, sondern eher an unzureichender Unterstützung durch die Führung.
2. Wir benötigen eine Führungskultur der Wertschätzung und Förderung der Mitarbeiter*innen. In einer Pressemitteilung im Februar dieses Jahres habe ich den hohen Krankenstand in der Verwaltung kommentiert. Für Kolleginnen und Kollegen bedeutet er häufig einen Zwang zur Mehrarbeit mit der Folge der Überlastung. Zudem ist er ein erheblicher Kostenfaktor. Gute Arbeitsbedingungen und Betriebliches Gesundheitsmanagement sind nicht die einzigen Faktoren, die zu einer niedrigen Krankenstatistik beitragen. Eine der wichtigsten (und häufig unterschätzten) Stellschrauben für geringe Fehlzeiten ist gute Führung. Das belegen mittlerweile sämtliche Studien auf dem Gebiet der Fehlzeitenforschung. Hier müssen im Rathaus Führungskonzepte neu gedacht werden, die den komplexen Anforderungen unserer stark wachsenden Landeshauptstadt gerecht werden und sie zukunftssicher machen.
3. Die Digitalisierung wird das Verwaltungshandeln grundlegend verändern. In Zukunft werden alle Verwaltungsdienstleistungen online verfügbar sein. Viele Prozesse werden gänzlich ohne menschliche Arbeit auskommen. Es gibt einen enormen Bedarf an Qualifizierung und Umorientierung, da nur so der sich heute schon abzeichnende Fachkräftemangel auch angesichts der hohen, demographisch bedingten Abgänge von Personal in den nächsten Jahren zu kompensieren sein wird. Die Vorbereitung auf diesen Transformationsprozess in der Verwaltung ist aus meiner Sicht bisher völlig unzureichend.

Wirtschaft, -förderung
Mein sechstes Wahlziel lautet: Innovationen fördern und Arbeitsplätze sichern
Potsdam hat viele kluge Köpfe in erstklassigen wissenschaftlichen Einrichtungen. Gezielt will ich die gebündelten Kompetenzen für die Beantwortung wichtiger Zukunftsfragen in Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung einsetzen. Kleine und mittelständische Unternehmen, gerade im Dienstleistungssektor und Handwerk, sind ein wichtiger Motor für die Entwicklung unserer Stadt. Exzellente Bildung und Forschung müssen dabei zum Grundstein für die Entstehung und den Erfolg innovativer Geschäftsideen werden. Ich stehe für ein gutes Gründungsklima für Unternehmen. Dazu gehören eine dienstleistungsorientierte Verwaltung und die aktive Förderung von gemeinsamen Projekten zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Ich möchte, dass Potsdam für Studierende vom Lern- zum Arbeits- und Wohnort wird.
Wirtschaftsförderung ist Aufgabe der Verwaltungschefin. Dabei kann ich mich auf die gute Arbeit meiner Kolleginnen und Kollegen stützen.

Tag X – die erste Amtshandlung als neuer Bürgermeister
Ich werde als neue Oberbürgermeisterin als erstes eine Mitarbeiter*innenversammlung einberufen, um meine Vision, meine strategischen Ziele und meine Pläne vorzustellen und mit ihnen zu diskutieren und mich ihren Fragen stellen.

Y(J)oker-Frage – Gutes Leben bis ins hohe Alter – mein Wahlziel Nr. 3
Altersarmut und Pflegenotstand bedrohen viele Menschen in Potsdam. Ich werde Angebote schaffen und vernetzen, die bessere Teilhabe und Versorgung sichern. Die Zahl älterer Menschen in Potsdam nimmt weiterhin zu. Ich möchte darauf hinwirken, dass gerade ältere Menschen gerne in Potsdam leben und medizinisch, psychosozial und pflegerisch gut versorgt sind. „Engagiert, selbstbestimmt und würdevoll alt werden“, fordert der Potsdamer Senior*innenplan. Dazu gehören barrierefreier Wohnraum, der barrierefreie Ausbau von Wegen, der barrierefreie Zugang zu öffentlichen Einrichtungen, sowie die Förderung von Mehrgenerationenhäusern und Wohngemeinschaften, zum Beispiel für Menschen mit demenzieller Erkrankung. Ich werde das von mir initiierte Netzwerk „Älter werden in der Landeshauptstadt Potsdam“ zu einem bedürfnisorientierten Qualitätsverbund ausbauen, mit dem Ziel, die Lebens- und Versorgungslage älterer Menschen und ihrer Angehörigen nachhaltig zu verbessern. Die öffentlichen Angebote für Kultur, Sport, Ehrenamt und Mobilität müssen sich stärker an den Bedürfnissen der älteren Generation ausrichten.

Zeppelinstraße
Im Juli 2017 wurde in einem Modellversuch die Zeppelinstraße verengt und eine Geschwindigkeitsbegrenzung eingeführt, um den Verkehr und damit die Schadstoffbelastung zu verringern. Tatsächlich sanken seitdem die Messwerte. Ein Effekt der Maßnahme ist jedoch der Ausweichverkehr in den umliegenden Straßen.
Drohende Fahrverbote zwingen Städte zum Handeln. Insoweit ist die Maßnahme auf der Zeppelinstraße logisch nachvollziehbar. Die dahinterliegenden Ursachen lassen sich jedoch durch dieses Konzept nicht angehen. Hier wird lediglich an Symptomen kuriert. Wie bereits oben ausgeführt, gehört ein strategisches Mobilitätskonzept, das die Stadt Potsdam gemeinsam mit den Umlandgemeinden entwickelt, fortschreibt und umsetzt zu meinen sechs wichtigsten Wahlzielen.
Eine Maßnahme könnte sein, den Bahnhof Pirschheide zu einem modernen Mobilitätspunkt auszubauen, der mit seinen Angeboten Autofahrerinnen und Autofahrer zum Umsteigen in Busse und Bahnen veranlassen könnte.
Verkehrsplanung fängt bereits bei der Planung von Stadtteilen an. Hier kann Potsdam einiges besser machen. Es braucht allerdings den Mut zu neuen Lösungen.

Mehr Informationen zum Programm der Kandidatin findet man auf [Martina Trauth] und [FB-Martina Trauth] und [YT-Martina Trauth].

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